Baby weint - Der Blog rund um Babys, Kinder und Familie.

Entwicklung Ratgeber

Schreibaby

Baby Weint - Schreibaby

Schreibaby – was können Eltern tun?

Was ist ein Schreibaby? Jedes Baby schreit von Zeit zu Zeit, das ist klar. Am Anfang ist das Schreien der Babys der einzige Weg, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten und sich mitteilen zu können. Gerade in den ersten Wochen schreien selbst ansonsten völlig gesunde Kinder hin und wieder bis zu drei Stunden täglich. Sie hören in der Regel damit auf, sobald sie bekommen haben, was sie brauchen. Sei es Nahrung, eine frische Windel oder einfach nur Nähe. Einige Säuglinge schreien jedoch, so scheint es, unaufhörlich weiter und sind dem Vernehmen nach durch nichts zu beruhigen. Weder stillen, noch herumtragen oder wiegen hilft bei ihnen.

Diese Babys schreien deutlich öfter und länger als der Durchschnitt. Sie werden für gewöhnlich als Schreibabys bezeichnet.
Die Phasen der Schreiattacken, welche am Tag aber auch Nachts stattfinden, zehren nach der Zeit an den Nerven. Die Hilflosigkeit und die Selbstvorwürfe etwas falsch zu machen, gepaart mit der Schlaflosigkeit und dem andauerndem Geschreie können einige frischgebackene Eltern an den Rand der Verzweiflung bringen.

Jedes fünfte Kind ist ein Schreibaby

Falls Sie und Ihr Kind unter der genannten Problematik leiden, können Sie sich gewiss sein, dass Sie nicht alleine sind. Ungefähr 20% aller Neugeborenen entwickeln sich in den ersten Wochen zu einem Schreibaby. Meist beginnt die Schreiphase um die zweite Woche herum, findet ihren Höhepunkt in der sechsten Lebenswoche und endet für gewöhnlich
nach dem 3.-6. Lebensmonat. In einigen Fällen geht sie aber noch über das erste halbe Jahr hinaus.

Symptome bei einem Schreibaby

Die Babys ballen ihre Hände zu Fäusten und winkeln ihre Beine an. Sie Schreien besonders intensiv und schrill. Das Gesicht kann vom exzessiven Schreien Feuerrot sein. Der Rücken ist oftmals überstreckt und der Bauch fühlt sich hart an. Durch die beim Schreien verschluckte Luft kann er überbläht sein. Besonders in den Abendstunden nimmt die Symptomatik zu.

Habe ich ein Schreibaby?

Ab wann ist das Schreien eines Babys nicht mehr im Normbereich und fällt somit in die Kategorie „Schreibaby“?
Laut der allgemein anerkannten Definition des amerikanischen Kinderarztes Dr. Wessel
ist ein Kind ein Schreibaby, sofern die Schreianfälle des Babys

  • mehr als drei Stunden am Tag
  • an mehr als drei Tagen pro Woche
  • über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen

andauern.

Diese Definition ist auch als die sogenannte „Dreier-Regel“ bekannt. Mitunter wird auch von den „Wessel Kriterien“ gesprochen. Ein wichtiges Kriterium ist hierbei, dass sich das ansonsten Gesunde Baby, während der exzessiven Schreiphasen durch keinerlei Eingreifen von außen beruhigen lässt und andere mögliche Ursachen für das Schreien ausgeschlossen sind.

Was ist bei Schreibabys die Ursache?

Lange Zeit wurden als Auslöser der Problematik ausschließlich Verdauungsstörungen in Folge eines noch nicht ausgereiften Verdauungssystems vermutet.
Zwar gibt es unter den Schreibabys auch Kinder, die unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, wie etwa eine Kuhmilch bzw. Sojaallergie, allerdings handelt es sich hierbei lediglich um 5 – 10. Prozent aller Betroffenen. Noch seltener ist eine entzündete Speiseröhre ursächlich.
Mittlerweile weiß man, dass die Gründe der Schreiphase anderswo liegen. Den betroffenen Babys macht schlicht und ergreifend das Leben an sich zu schaffen. Jede Sekunde ist voll mit unbekannten neuen Reizen. Geräusche, Licht, Berührungen – das alles muss verarbeitet werden.

Man darf sich nichts vor machen, der Wechsel – heraus aus dem geborgenen Mutterbauch und hinein in die kalte Welt stellt für die Kleinen eine mühevolle Herausforderung dar. Wobei
die einen Babys einen leichteren Start ins Leben haben und besser mit der Umstellung an die noch ungewohnte Umgebung klar kommen, während andere in der ersten Zeit große Anpassungsschwierigkeiten haben. So schreien etwa Babys die unter den als „Dreimonatskoliken“ bekannten Anpassungsschwierigkeiten leiden erheblich mehr. Seit der Geburt strömen ununterbrochen neue Eindrücke auf sie ein und müssen zunächst einmal lernen all diese Reize zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass sie zu einem funktionierendem Rhythmus zwischen Wach und Schlafphasen finden müssen.

Hierbei gibt es Unterschiede zwischen den Kindern. Während die einen etwas robuster sind oder etwa in der anfänglichen Entwicklungsphase schneller vorankommen, finden sie eher Wege um bei einer Überreizung abzuschalten und sie können sich bei bedarf selbst beruhigen, indem sie beispielsweise an ihrem Daumen oder dem Schnuller Nuckeln und auf diese weise unter anderem leichter in den Schlaf finden. Diesen Vorgang nennt man Selbstregulation. Schreibabys fällt es wiederum schwerer abzuschalten. Sie saugen die Umwelteindrücke wie ein Schwamm auf, können aber im Bedarfsfall nicht abschalten.

Dadurch, dass sie sehr empfindlich auf Eindrücke der Außenwelt reagieren und keine Möglichkeit der Selbstregulation finden, sind sie häufiger überreizt. In der Folge schlafen sie weniger, als andere Kinder und bereits das Füttern oder der Wickelvorgang bereitet ihnen Stress.

Begünstigende Faktoren

Den Grund dafür, dass einige Babys sensibler sind als andere, kennt man noch nicht genau.
Einige Studien sehen einen Zusammenhang mit schwierigen bzw. belastenden Schwangerschaften.
Außerdem gibt Hinweise darauf, dass Kinder aus Raucherhaushalten eher von der Problematik betroffen sind, als Kinder aus Nichtraucherhaushalten. Einige Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Mütter, die während der Schwangerschaft unter starken Ängsten litten oder Depressionen hatten, in der Folge öfter Kinder hatten, welche durch exzessives Schreien auffielen. Wenn der Haussegen schief hängen sollte, könnte dies auch ein begünstigender Faktor sein, der zu einer Schreiphase führt.

Hat die Schreiphase einen Einfluss auf die spätere Entwicklung?

Zu dieser Fragestellung gibt es mehrere Studien. Laut einer Untersuchung der Warwick University, der Universität von Bochum und der Universität von Basel gibt es einen Zusammenhang zwischen anhaltenden Schreiphasen und Schlafproblemen in den ersten Lebensmonaten und später auftretenden Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS oder seelischen Problemen, wie Depressionen, Angstzuständen oder gesteigerter Aggressivität. Im laufe der zwischen 1987-2006 stattgefundenen Studien wurde die Entwicklung von 16.848 Kindern beobachtet. 1935 dieser Kinder fielen durch eine exzessive Schreiphase im Säuglingsalter auf. Im Ergebnis kamen sie zu dem Schluss, dass Kinder, die im ersten Lebensjahr mit den langanhaltenden Schreiphasen und Schlafproblemen zu kämpfen hatten, bis zu 40 % häufiger im späteren Leben Verhaltensauffälligkeiten entwickelten, vermehrt aggressives Verhalten an den Tag legten und häufiger unter Aufmerksamkeitsstörungen litten.

Der Bericht der Studie, welche im medizinischen Magazin „Archives of diseases in childhood“ erschien weist allerdings auch daraufhin, dass viele der Untersuchten Kinder durch eine zusätzliche Problematik, wie Beziehungsstress der Eltern, Komplikationen bei der Geburt oder psychosozialen Problemen im Elternhaus belastet waren.

Schreibaby – was kann man dagegen tun?

Ein Patentrezept um die Schreiphasen zu vermeiden gibt es leider nicht.
Zunächst einmal ist es wichtig, dass Betroffene Eltern sich frei von Schuldgefühlen machen.
Denn zum einen können sie als Eltern nichts dafür, denn oftmals haben Eltern von Schreibabys noch weitere Kinder, welche nicht durch exzessives Schreien aufgefallen sind und zum anderen werden Selbstvorwürfe die Situation nur noch Verschärfen. Die Kinder spüren ihre Verzweiflung und schreien in oft nur noch mehr. Man gerät unweigerlich in einen Teufelskreis.
Sie können sich sicher sein, dass Sie in dieser Situation nicht allein sind.

Die Belastungen runter fahren

Man muss versuchen die Probleme an der Wurzel zu packen. Das heisst im Klartext die Belastungen für das Baby runter zu fahren. Tragen Sie Sorge dafür, dass Ihr Baby nicht zu vielen Reizen ausgesetzt ist. Man sollte darauf achten, eine Balance zwischen den Anreizen und den Phasen der Ruhe zu bekommen.

Im Grunde genommen heisst dies dem Kind zu helfen sich selbst zu helfen. Das Wichtigste hierbei ist, dass Sie selbst die Ruhe bewahren und Gelassenheit ausstrahlen. Rufen Sie sich hierzu in Erinnerung, dass das Schreien Ihrem Kind keinen Schaden zufügen wird, sondern nur ein Symptom der Überforderung ist. Passen Sie die Umgebung des Babys so gut wie möglich an die Umgebung des Mutterleibes an. Das heisst geben Sie ihm viel körperliche Nähe und Wärme. Auch wenn es mitunter sehr Nervenaufreibend ist, behalten Sie einen kühlen Kopf und schenken Sie Ihrem Baby viel Liebe.

Es ist ratsam, den Tagesablauf so zu strukturieren, dass Ihr Baby geregelte Schlafphasen hat und auch Tagsüber genügend Ruhezeiten bekommt. Mitunter ist es hilfreich, das Kind auf dem Arm zu tragen. Sie werden mit der Zeit am besten das Gefühl hierfür bekommen. In diesem Fall können Tragetücher bzw. Tragetaschen eine Entlastung bieten. Im Fliegergriff getragen, können sich störende Gase leichter lösen.

Bei manchen Kindern hilft das Pucken. Hierbei gibt es jedoch einiges zu beachten und sie sollten, bevor sie sich dazu entscheiden sollten, sich das Pucken von einem Experten zeigen lassen.
In den Wachphasen sollten Sie Ihrem Baby viel Aufmerksamkeit zukommen lassen. Reden Sie viel mit ihm oder singen Sie ihm etwas vor. Des weitern können sich wiederkehrende Rituale positiv auswirken. Wenn Sie Ihr Kind zu Bett bringen, können sie z.B immer wieder das selbe Lied singen. Sollte Ihr Baby an einem Tag schon viel erlebt haben, dann überdenken sie ob ein abendlicher Besuch bei Bekannten sinnvoll ist.
Spaziergänge mit der Familie wirken manchmal Wunder. Achten Sie auch auf Ihr seelisches Gleichgewicht.

Wann sollten sie einen Arzt aufsuchen

Zunächst einmal ist das permanente Schreien, auch wenn es für die Eltern durchaus belastend ist,
für die Kleinen in der Regel gesundheitlich gesehen harmlos und hat keinen besonderen Krankheitswert.
Trotzdem ist es zunächst sinnvoll, dass sie einen Arzt aufsuchen um andere gesundheitliche Probleme, wie etwa einen Leistenbruch, eine Mittelohrentzündung oder sonstige organische Erkrankungen ausschliessen zu können.

Ausserdem sollten sie einen Arzt aufsuchen, wenn

  • Ihr Kind nicht zu nimmt, bzw. an Gewicht verliert.
  • Ihr Kind nicht aussreichend trinkt.
  • andere Beschwerden, wie Fieber, Erbrechen oder Verstopfung hinzu kommen.
  • Sie das Gefühl haben, mit der Situation überfordert zu sein.

Achtung

Auch hier gilt, achten Sie auf Ihre eigene Belastungsgrenze. Die lange anhaltenden Schreiphasen gepaart mit der Schlaflosigkeit können bei einigen Eltern leider dazu führen, dass die den Kopf verlieren. Sie schreien ihr Kind an und es kommt vor, dass sie im schlimmsten Fall sogar ihr Baby schütteln.

Bitte tun sie dies niemals!
Der Bereich am Hals und Kopf ist sehr empfindlich und bereits kurzes Schütteln kann ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen mit sich ziehen, die im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Kindes führen können. Schätzungen gehen davon aus, dass leider immer noch 100-200 Säuglinge im Jahr in Deutschland dadurch ihr Leben verlieren.

Suchen sie rechtzeitig nach Hilfe

Es ist äußerst wichtig, dass Sie sich in dieser nervenaufreibenden Zeit als Partner ausreichend unterstützen. Wechseln Sie sich genügend ab, damit der andere Part sich zurückziehen kann, um neue Kraft zu tanken. Scheuen Sie sich nicht davor Freunde oder Verwandte um Hilfe zu bitten. Gerade wenn Sie keinen Partner haben sollten. Jeder Mensch hat eine Belastungsgrenze und benötigt seine Auszeiten um gut funktionieren zu können. Sollten sie dennoch das Gefühl haben, der Situation nicht mehr gewachsen zu sein, dann nehmen sie professionelle Hilfe in Anspruch. Erste Anlaufstellen hierfür können die Hebamme oder der behandelnde Kinderarzt sein. Ausserdem gibt es in vielen Städten sogenannte Schreiambulanzen, welche in solchen Fällen ihre Unterstützung anbieten.

Adressen von Schreiambulanzen finden sie unter http://www.trostreich.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.