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Alltag Übers Eltern sein

Jetzt nicht mein Schatz!

Baby-Weint.de - Nicht jetzt Schatz

Neulich fuhr ich mit dem Auto. Ich war geschäftlich unterwegs und stand in einem Stau auf der Autobahn. Nebenher lief wie immer das Radio. Kilometerlang reihten sich die Autos Stoßstange an Stoßstange.
Ein etwas älterer englischer Rocksong ertönte aus den Lautsprechern. Ein Lied, dass ich bestimmt schon hunderte Male gehört habe. Obwohl mir die Melodie des Songs stets gefiel und ich bestimmt schon öfter während er lief mitgewippt habe, hab ich mir nie die Mühe gemacht näher auf den Text zu achten und ihn zu verstehen. Diesmal hatte ich jedoch mehr als genug Zeit, um ihm meine volle Konzentration zu widmen. Der Verkehr kam zum totalen Stillstand – nichts ging mehr. Folglich war ich ganz Ohr.
Bei dem besagten Song handelte es sich um „Cats in the Craddle“

Während ich ihn hörte, übersetzte ich den Song so gut es ging mit Hilfe meines Schulenglisch und bereits nach den ersten Zeilen wurde mir ganz anders zu mute. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Das Lied thematisiert die Beziehung zwischen einem beruflich stark eingebundenem Vater und seinem Sohn. Von den frühen Kindheitsjahren des Schützlings an, bis zu dem Rentenalter des Vaters. In den ersten Zeilen beschreibt der Vater, wie er die Geburt seines Sohnes verpasst, da er beruflich verreisen und deshalb seinen Flieger bekommen muss. Bei den ersten Schritten des Kleinen ist er ebenfalls nicht zugegen und selbst seine ersten Worte bekommt er nicht mit. Doch als sein Sohn größer wird, da spricht er die prophezeienden Worte aus: „Ich werde mal wie du, Papa Du weißt doch, dass ich mal wie du werde“

Weiter im Text geht es um typische Kinderspiele und dem Mann im Mond und der Kleine fragt: „Wann kommst du nach Hause Papa?“
Der Vater wiederum kann seinen Sohn nur im Ungewissen lassen und mit leeren Versprechungen vertrösten.
„Wann weiß ich noch nicht, aber wenn, dann machen wir was zusammen. Du weißt doch, dass wir es uns dann gut gehen lassen“

Schon bald wird der Junge 10 und bekommt von seinem Vater einen Ball geschenkt. Nur als er ihn darum bittet mit ihm zu spielen und ihm das Werfen beizubringen, wimmelt sein Vater ihn
mit der Begründung ab, dass er gerade so viel zu tun habe. Der Kleine behält sein strahlendes Lächeln, geht weg und sagt diesmal wohl an die Mutter gerichtet : „Ich werde so werden wie er, ja Du weißt doch, dass ich mal wie er werde“

Die Zeit vergeht schnell, der Sohn wächst heran und kommt eines Tages vom College nach Hause.
Da betrachtet ihn der Vater und bemerkt, wie er bereits ein richtiger Mann geworden ist.
Er bekundet seinen Stolz und bittet ihn neben sich Platz zu nehmen, doch der Zögling schüttelt jetzt mit dem Kopf und möchte eigentlich nur sein Auto ausleihen.

Und dann ist der Vater irgendwann Rentner. Sein Sohn wohnt wo anders. Er ruft ihn an und erzählt ihm, dass er ihn gerne besuchen kommen würde, wenn es denn keine Umstände machen sollte.

Doch schon lange hat sich der Spieß umgedreht und es liegt jetzt beim Sohn, seinen Vater abzuweisen.

„Ich würde ja gerne, Papa, wenn ich nur die Zeit dafür hätte. Schau mal, mein neuer Job ist der volle Stress und die Kinder haben Grippe. Aber es war schön mit dir zu reden, Papa. Es war wirklich schön mit dir zu reden“

Der Vater legt den Hörer auf und bemerkt: „Er ist wie ich geworden, mein Junge ist wie ich“
Um alles auf der Welt wollte ich in diesem Moment einfach nur nach Hause. Heim zu meinem Sohn und meiner Frau. Ich war eingeschlossen in ein Gefängnis aus still stehenden Autos und mir war nach Heulen zu mute. Mir schossen blitzartig tausend Gedanken durch den Kopf. Ich erinnerte mich daran, wie traurig ich war, als mein Vater nicht zu meinen Fußballspielen erschien oder die Schulaufführungen verpasste. Ich dachte an meinen größten Vorsatz und das Versprechen, welches ich mir selbst gab. Das da hieß mit meinem Kind so viel Zeit, wie nur irgendwie möglich zu verbringen. Mir donnerte es durch den Kopf, wie schnell die kostbare Zeit vergeht. Wie er erst gestern noch hilflos in seiner Wiege lag und heute wie ein Wirbelwind durch die Gegend turnt.
Ich bekam Angst die Kindheit meines Sohnes zu verpassen. Versuchte mich zu beruhigen, indem ich mir vor Augen führte, dass ich so oft zu Hause bin, wie es nur irgendwie geht und es darüber hinaus leider Gottes nicht so einfach ist allem gerecht zu werden. Ich sagte mir, dass ich schließlich die Verantwortung dafür trage, dass etwas zu Essen im Haus ist und zu guter letzt bin ich ja auch noch selbständig, was alles in vielerlei Hinsicht noch etwas schwieriger macht. 
Doch dann musste ich daran denken, dass das größte Problem eigentlich woanders liegt.

Das Handy – die Geißel unserer Zeit

Es mag sogar sein, dass ich, wenn man es denn so sagen kann, ausreichend zu Hause bin. Aber schenke ich meinem Kind in dieser Zeit dann wirklich genügend Beachtung? Bin ich denn wirklich da, wenn ich da bin? Und mir wurde plötzlich vieles klar. Das ist die eigentliche Crux. Vor mir erschienen die Bilder, wie ich die Zeit mit meinem Sohn verbringe und wie oft ich dabei mit etwas anderem beschäftigt bin. Es ist unglaublich wie häufig ich mein Handy ergreife. Mal eben eine SMS schreiben. Ein Anruf hier, schnell noch mal die Nachrichten lesen. Die Social Media Kanäle durchwühlen, mal eben eine Mail beantworten oder sei es bloß den Spielstand eines Fußballspieles zu verfolgen. Und durch all dieses am Ende des Tages doch belanglose Zeug, kommt mein Kleiner zu kurz und das obwohl er im Endeffekt das Wichtigste auf der Welt für mich ist. Es mag sein, dass die Smartphones mit all ihren Kommunikationsmöglichkeiten eine Geißel unserer Zeit sind. Ein Segen und Fluch zu gleich.

Seien wir mal ehrlich, wie sehr stört uns das, wenn wir mit Freunden im Café sitzen und diese ständig auf ihr Handy starren? Ich selbst empfinde es als zutiefst Beleidigend und komme mir in solchen Momenten wie ein Blödmann vor. Wie kann ich um Gottes Willen denn auf die gleiche Art und Weise mit der Person verfahren, die ich am meisten liebe und welche am meisten auf meine volle Aufmerksamkeit angewiesen ist? Ich muss das auf jeden Fall ändern. Diese Zeit ist ein Segen und ich möchte jeden Moment dieser schönen Augenblicke mit ihm auskosten. Ich will nicht, dass mein Sohn, wie ich wird, denn mein allergrößter Wunsch ist, dass er besser wird.

And the cat’s in the cradle and the silver spoon,
Little boy blue and the man on the moon.
„When you comin‘ home?“
„Son, I don’t know when.
We’ll get together then.
You know we’ll have a good time then.“

2 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben , leider vergisst man sehr schnell wieder was man sich vor paar Tagen vorgenommen hat……aus der Sicht einer Mama möchte man den Haushalt erledigen, alles soll sauber sein und zu meinen Kindern sage ich: wir spielen gleich warte! Das WARTE können wohl die wenigsten Kinder verstehen ….

    Schlimm was man so für wichtig hält!

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