Baby weint - Der Blog rund um Babys, Kinder und Familie.

Gesundheit Ratgeber

Dreimonatskoliken – Mythos oder Wirklichkeit?

Baby-Weint.de - Dreimonatskoliken - Mythos oder Wirklichkeit?

Dreimonatskoliken – Was steckt dahinter?

Man hört oft, dass viele Babys in den ersten Monaten auf der Welt mit den Dreimonatskoliken zu kämpfen haben. Allgemein wird von heftigen Bauchkrämpfen und Blähungen berichtet, welche in gewissen Abständen wiederkehren und bei den Kleinen starke Schmerzen verursachen können. Das Ende vom Lied ist meist herzzerreißendes Geschreie, bei dem einem als Eltern in vielen Fällen die Hände gebunden sind.

Diese Episoden führen nicht selten dazu, dass die Mama total überfordert ist und der Papa entgeistert innerhalb der vier Wände herumrennt oder sogar völlig entnervt das Haus verlässt. Doch auch wenn diese Vorkommnisse anstrengend sind und einem einiges abverlangen, sind sie kein Grund zur Beunruhigung, denn diese Zustände treten auch bei Kerngesunden Babys auf und haben an sich keinen besonderen Krankheitswert. Oftmals beginnt das Unwohlsein im Anschluss der Mahlzeiten und tritt gehäuft am späten Nachmittag und in den Abendstunden auf. Ungefähr ein Drittel aller Babys haben mit dieser Problematik zu tun, von der Jungen etwas häufiger betroffen sind als Mädchen. Nur was ist dran, am verbreiteten Bild der Dreimonatskoliken? Der Name Dreimonatskoliken ist jedenfalls aus zweierlei Hinsicht irreführend.

  • Erstens können derartige Beschwerden über den vierten, fünften Monat hinausgehen und werden viele Babys selbst in späteren Monaten noch beschäftigen.
  • Zweitens ist der Name Dreimonatskoliken von dem griechischen stammenden Begriff „kolikos“, was übersetzt so viel wie „am Darm leidend“ bedeutet, abgeleitet. Dies verdeutlicht, dass die Probleme der Babys in den ersten Monaten lange Zeit lediglich mit einer Störung des Verdauungstrakts assoziiert wurden.

Was sind die Ursachen der Dreimonatskoliken?

Der heutige Wissenstand zeigt, dass hinter den besagten Beschwerden oftmals mehr steckt als reine Verdauungsprobleme. Eines ist klar, der Verdauungsprozess stellt für die Kleinen und ihrem noch nicht vollständig ausgereiftem Verdauungstrakt eine Höchstleistung dar, die ihnen einiges abverlangt und auch nicht immer angenehm sein mag. Hinzu kommen jedoch die sogenannten Anpassungsschwierigkeiten, an die Welt außerhalb des Mutterleibes, welche im Laufe des Tages den Babys sprichwörtlich „auf den Magen schlagen“ können.

Der Darm besitzt nach dem Gehirn die meisten Nervenzellen im menschlichen Körper. Das dichte Netz aus Nerven, dass auch für die Beweglichkeit des Darms verantwortlich ist, macht ihn im Gegenzug für Stress besonders anfällig. Kommt es im Tagesverlauf zu Umständen, die das Baby im Anpassungsprozess überfordern, kann dies die Regulierung des Darmtraktes stören und dazu führen, dass letztendlich ein ganz normaler Verdauungsvorgang vom Baby als schmerzhaft wahrgenommen wird. Aus diesen Gründen spricht man auch heutzutage bei dieser Problematik häufig von „Regulationsstörungen“ oder auch Anpassungsschwierigkeiten.

 

Begünstigende Faktoren für Dreimonatskoliken sind:

  • das Rauchen – es wird beobachtet das Babys aus Raucherhaushalten häufiger an Dreimonatskoliken leiden, als andere Kinder.
  • schwierige bzw. belastende Schwangerschaften.
  • schwierige Familienverhältnisse bzw. in Trennung lebende Eltern.

Keinen Einfluss hat jedoch der Umstand, ob das Kind gestillt wird oder ein „Flaschenbaby“ ist.

 

„Überlebensstrategien“ für Eltern

Eines Vorweg, ein Allheilmittel gegen die Dreimonatskoliken, welches die Problematik garantiert verhindern wird und zu 100% wirksam ist, gibt es leider nicht.

Es gibt aber auf jeden Fall Strategien und Wege, mit denen man eine Entlastung und Linderung bei den Unruheepisoden erreichen kann. Dabei sollte man meines Erachtens eine Doppelstrategie einlegen und folgender Weise vorgehen:

Beim ersten Teil der Strategie kann man bei den akuten Phasen der Dreimonatskoliken mit einigen Hilfsmitteln die Schmerzen der Kleinen etwas abmildern.
Hierbei kann man z.B Trauben bzw. Kirschkernkissen anwenden, die man zuvor erwärmt und dann auf den Bauchbereich des Babys legt. Was ebenfalls gut wirkt, ist das Bett des Kindes vor dem Schlafen gehen mit Hilfe eines Wärmekissens auf eine angenehme Temperatur zu bringen.
Wenn sich das Baby vor Schmerzen krümmt, kann der Fliegergriff zu einer Entlastung beitragen.
Dabei werden sich auch Krämpfe und Blähungen leichter lösen. Die Nähe auf dem Arm wird dem Baby zudem in dieser Situation gut tun.

Des weiteren können leichte Massagen im Bauchbereich dazu beitragen, dass sich Ihr Baby entspannen kann. Außerdem können sie mit beiden Händen die Knie des Babys behutsam zum Bauch hin und wieder zurück bewegen.
Ansonsten kann man sein Baby zur Beruhigung hin und her Wiegen, entweder auf dem Arm oder in einer Babyschale. Falls die Schreiphase etwas länger anhalten sollte, kann die Methode mit der Babyschale das Wiegen etwas erleichtern. Einige Eltern schwören zur Beruhigung ihrer Kinder auf das Pucken.

Reden Sie leise auf Ihr Baby ein oder singen Sie ihm etwas vor, dies wird auch zur Beruhigung Ihres Kindes beitragen. Wichtig ist, dass Sie versuchen sollten, in diesen Phasen selbst einen kühlen Kopf zu bewahren und Ruhe auszustrahlen. Einige Eltern entwickeln Schuldgefühle, wenn sie in diesen Phasen ihre Kinder nicht beruhigen können. Sie sollten sich jedoch keine Vorwürfe machen. Sie können sich sicher sein, dass sie mit dieser Problematik nicht alleine sind und folglich auch nichts dafür können. Außerdem sind die Selbstvorwürfe kontraproduktiv, Ihr Baby wird ihre Verzweiflung spüren, was wiederum zu einer verstärkten Beunruhigung bei ihm führt. Auf diese Weise geraten Sie in einen Teufelskreis.
Bedenken Sie, dass das Schreien ihrem Baby keinen Schaden zufügen wird.

Der zweite Teil der Strategie ist ganzheitlicher Natur und zielt darauf ab, durch Beachtung einiger Punkte die Belastung der Babys zu mindern und somit dazu beizutragen, dass die Unruhephasen gar nicht erst auftreten bzw. ihr Ausmaß zu reduzieren. Diesem Teil messe ich eine höhere Bedeutung zu, denn hiermit wird der Fokus (wie weiter oben Beschrieben) auf die Ursachen der Dreimonatskoliken gelegt.

Man sollte grundsätzlich darauf acht legen, dass man eine Balance zwischen Anreizen und Ruhephasen findet, damit das Baby nicht überreizt wird.
In der ersten Zeit ist es ratsam, die Umgebung des Babys so gut wie möglich an die Bedingungen des Mutterleibes anzupassen. Das heißt, dem Baby so viel wie möglich an körperlicher Wärme und Nähe zu schenken. Eine praktische Methode sind hierbei Tragetaschen bzw. Tragetücher.

Es ist ratsam, den Tagesablauf so zu strukturieren, dass ihr Baby geregelte Schlafphasen hat und auch Tagsüber genügend Ruhezeiten bekommt.
In der Zeit, in der Ihr Baby wach ist, ist es wichtig, dass Sie ihm viel Aufmerksamkeit schenken. Reden, Singen und Spielen sollte auf dem Plan stehen. Ausgiebige Spaziergänge an der frischen Luft können sich positiv auf das seelische Gleichgewicht bei Ihnen und Ihrem Kind auswirken. Unterm Strich kann man sagen, dass das A und O bei der Abmilderung der Dreimonatskoliken die Ausgeglichenheit ist und dieser Aspekt bezieht sich auf die gesamte Familie.

Baby-Weint.de - Dreimonatskoliken - Mythos oder Wirklichkeit?

Wann sollten sie zum Arzt?

Da die Dreimonatskoliken keinen besonderen Krankheitswert haben, benötigen sie keine spezielle Behandlung. Bei folgenden Anzeichen sollten sie jedoch einen Arzt aufsuchen, um andere Ursachen oder Erkrankungen auszuschließen zu lassen.

  • Ihr Baby nimmt nicht ausreichen Gewicht zu.
  • Es bekommt zusätzlich andere Beschweren, wie Fieber, Erbrechen bzw. Verstopfung.
  • Ihr Baby trink nicht.
  • Es hat offensichtliche Schmerzen.

 

Achtung:

Es kommt leider immer wieder vor, dass einige Eltern dem Stress aufgrund eines dauerschreienden Babys nicht gewachsen sind. Sie verlieren ab einem Punkt die Kontrolle, schreien ihr Baby an und im schlimmsten Fall schütteln sie sogar ihr Baby aus lauter Verzweiflung.

Bitte tun Sie dies niemals! Der Bereich von Kopf und Hals ist beim Baby sehr empfindlich und bereits kurzes Schütteln kann schwere Gesundheitliche Folgen haben, welche im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Babys führen können. Wenn sie merken sollten, dass Sie an Ihre Grenzen gelangen und mit den Nerven am Ende sind, dann sollten Sie in solch einem Fall lieber für einen Moment das Zimmer verlassen und Ihr Kind schreien lassen bis Sie sich selbst wieder beruhigt haben.

 

Rechtzeitig Hilfe suchen

Ein Baby das rund um die Uhr schreit, kann bei den Eltern eine starke Belastung hervorrufen. Deswegen ist es wichtig sich als Elternteile ausreichend zu unterstützen. Wechseln Sie sich ab, wenn Sie eine Pause benötigen und scheuen Sie sich auch nicht davor Ihre Familie oder Freunde um Unterstützung zu bitten. Es ist ratsam, dass Sie sich in Phasen der Erschöpfung hin und wieder eine Auszeit gönnen. Wenn die Großeltern oder Freunde in diesen Momenten einspringen können, haben Sie die Möglichkeit wieder neue Kraft zu tanken. Wenn Sie sich überfordert fühlen und dauerhaft erschöpft sind, sollten sie professionelle Hilfe aufsuchen, die ersten Anlaufstellen stellen hierbei die Hebamme oder der behandelnde Kinderarzt dar.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.